4. Bildungswissenschaftlicher Tag - Vernetzte Schule - idealer Lebensraum für Digital Natives?

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Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung erforderlich.
Raum 
A 701 und Seminarräume
Termin 
18.11.2016 12:30 bis 20:00
Inhalt 

Kinder und Jugendliche, die unsere Schulen besuchen, sind in einer digitalen Welt aufgewachsen, in der viele Erwachsene immer Digital Immigrants bleiben. Die "Digitalen Ureinwohner" hingegen sind eifrig mit Smartphones, Tablets und Computern zu Gange, scheinen dabei aber oft nur basale Anwendungskenntnisse zu besitzen und somit auch in digitalen Bereichen lediglich Kids zu sein, die gerne spielen, gerne Kontakt mit Peers haben und sich auch gerne einmal an die Grenzen des Erlaubten begeben, experimentieren und schockieren.

Der diesjährige Bildungswissenschaftliche Tag will wissen, ob die „Vernetzte Schule“, ein Ort mit Zukunft ist, der Digital Natives (wer ist das überhaupt?) die ideale Lernumgebung (wie sieht diese aus?) bietet. Er will bilanzieren, was sich in der Praxis des Lernens mit digitalen Medien bewährt hat, will aufzeigen, wo die Entwicklung heute steht und erlaubt sich, auch scheinbar Selbstverständliches zu hinterfragen.

 

Programm im Überblick

12:30-13:30 - Ankunft und Kaffee
13:30-14:00 - Eröffnung und Grußworte - A 701
14:00-15:15 - Keynote mit Diskussion - A 701
15:15-15:30 - Raumwechsel
15:30-16:45 - Workshop Session I - Seminarräume
16:45-17:30 - Raumwechsel mit Kaffeepause
17:30-18:45 - Workshop Session II - Seminarräume
18:45-19:00 - Raumwechsel
19:00-20:00 - Abschlussrunde Kamingespräch

 

Hautptvortrag

 

Neue Medien in der Bildung – Bildung im neuen Medium
Prof. Max Woodtli
- PH Thurgau

Unser Leben verändert sich durch digitale Medien rasant. Der Wandel von der Buch- zur Internetkultur bedeutet auch für Schule und Hochschule eine Herausforderung.

Soziale/digitale Medien sind nicht einfach austauschbare Werkzeuge, sondern sie verändern im Kontext der Digitalisierung der Wissensarbeit zentrale Annahmen in Bezug auf Lehren und Lernen. Entsprechend kann die Frage, wie denn neue Medien didaktisch eingesetzt werden müssten, um in der Aus- und Weiterbildung eine Wirkung entfalten zu können, auch umgekehrt werden: Wie muss Aus- und Weiterbildung gestaltet werden, um in der Zeit digitaler Informationsverarbeitung sinnvolle Lernumgebungen bereit stellen zu können? 

Es geht heute also vermehrt um das Generieren von Wissen in unterschiedlichen Formaten (Text, Grafik, Audio, Video) – weniger um das Speichern und Wiedergeben von bestehendem Wissen – und um den Aufbau sogenannter Lernnetzwerke. Wie diese Kompetenzen konkret gefördert werden können, dazu sollen in diesem Referat auch ein paar Good-Practice-Beispiele vorgestellt werden.

 

Workshops

 

Workshop 1: Digitale Lernspiele: The Good, the Bad and the Ugly
Prof. Dr. Dominik Petko - PH Schwyz

Mittlerweile gibt es eine riesige Auswahl an Spielen, die sich dem Anspruch nach für den Unterricht eignen sollen. Zwar sind die theoretischen Potenziale vielversprechend, praktisch werden sie jedoch erst selten eingelöst. Der Workshop bietet eine kleine Marktkunde und diskutiert die wichtigsten Kriterien für die Auswahl guter Lernspiele und mögliche Einsatzweisen anhand von praktischen Beispielen.


Workshop 2: Zum Potenzial von E-Portfolios im Lehramtsstudium
Prof. Dr. Damian Miller & Dr. Ulrich Halbheer - PH Thurgau

Studierende des Lehramtes treten die Ausbildung großmehrheitlich mit der Vorstellung an, sich in Studium und Praxis gefestigtes Wissen und Anleitungen zum zukünftigen Berufsfeld aneignen zu können. Pädagogische und schulische Ratgeberliteratur bestätigen oft diese Erwartungen. Kaum hat eine pädagogische Idee die Beststellerliste erreicht, wird von "Paradigmenwechseln", "kopernikanischer Wende" beim Lernen gesprochen. Nur – und da liegt die Ernüchterung – das Berufsfeld tut nicht so, wie man das verspricht. Das merkt man spätestens in der Praxis, wenn man es nicht schon vorher bei sich selbst gemerkt hat. Die Lernenden lassen sich nicht deterministisch auf die Lernangebote ein. Da helfen auch die Beschwörungen der Selbststeuerung nichts. Im Umgang mit dieser Eigenart des Berufsfeldes kann das E-Portfolio, die elektronische Variante des Portfolios, sein Potenzial bzw. seinen Mehrwert entfalten.


Workshop 3: "Weniger ist mehr“: Textzentrierte Lernprozesse effizient gestalten durch Peerlearning und Feedback
Dr. Monique Honegger - Pädagogische Hochschule Zürich

Alle sind vernetzt. Doch ist vernetzt im Zusammenhang von Lehrern und Lernen wirklich effizient? Es gibt beispielsweise viele Chats, in denen Lehrende mitdiskutieren müssen, dürfen, sollen; aber manchmal ergibt deren Feedback wenig Sinn, weil aus Zeitgründen allenfalls gelobt wird. Daneben erschweren zudem Lernanlagen und Kommunikationsplattformen mit überfüllten Aufgaben effizientes Arbeiten: Sie wirken auf Lehrpersonen und Lernende oftmals wie Formulare, die möglichst rasch aber unreflektiert ausgefüllt werden müssen.

Die Referentin zeigt in ihrem Workshop, wie vernetztes Kommunizieren und Lernen durch Schreiben und Peerlearning mit weniger Wörtern funktionieren kann: "Weniger ist mehr" führt uns zu Peertutoring, Online-Peerfeedback zu entstehenden Texten sowie zu Schreiben und Reflektieren". Die Reduktion auf Weniger lässt sich nicht nur auf den Lernalltag übertragen, sondern zeitigt auch Wirkung in schriftlicher Kommunikation unter Lehrpersonen im Schulalltag.

Im Workshop werden Sie als Teilnehmende kurz selber schreiben und Ihre entstehenden Texte auch einigen Teilnehmenden zeigen.


Workshop 4: Film- und Theaterarbeit als kreativer Zugang zum DaZ/DaF-Lernen
Dr. Björn Maurer - PH Thurgau

Wer eine neue Sprache lernen will oder muss, braucht vor allem eines: sinnstiftende mündliche Sprachpraxis. Auf der Grundlage des gebrauchsbasierten Sprachlernansatzes («Focus on Meaning») wird im Workshop das Konzept der film- und theaterpädagogischen Sprachförderung vorgestellt. Durch produktive Filmarbeit in Verbindung mit theaterpädagogischen Lernarrangements werden motivierende und kreative Sprechanlässe für den Unterricht in Deutsch als Fremdsprache (DaF) bzw. Deutsch als Zweitsprache (DaZ) geschaffen. Der Ansatz wurde im Rahmen eines mehrjährigen interkulturellen Begegnungsprojekts mit jugendlichen DaF-Lernenden aus Südosteuropa entwickelt (vgl. http://www.filme-foerdern-sprache.org). Neben den Kernanliegen des Ansatzes lernen die Teilnehmer/innen im Workshop exemplarische Übungen und Methoden der film- und theaterpädagogischen Sprachförderung kennen. Zudem erhalten sie Zugang zur Onlineplattform www.sprachfoerderung.eu, auf der zahlreiche weitere Übungen dokumentiert sind.


Workshop 5: iPad am Gymnasium. Evaluation, erste Erfahrungen und Beispiele aus der Praxis
Prof. Dr. Christoph Blatter, Prof. Martin Heydenreich & Prof. Stefan Strasser - Kantonsschule am Burggraben, St. Gallen

Medien durchdringen und prägen sämtliche Lebensbereiche. In vielen Wissenschaftsgebieten und Berufen werden Informatikkompetenzen vorausgesetzt. Das Gymnasium bildet in einer digitalen Welt studierfähige und mündige junge Menschen. Dabei ist und bleibt die menschliche Begegnung die Grundlage humanistischer Bildung. Aber auch die Bereiche Medien, Informatik und Anwendungskompetenzen brauchen ihren Platz im Lehrplan. Schülerinnen und Schüler sollen eine digitale Souveränität erreichen, die ihnen ermöglicht, die Welt von morgen mitzugestalten.

Die Kantonsschule am Burggraben St. Gallen hat in Pilotklassen den Einsatz verschiedener Tablets geprüft. Die Auswertung der technischen Möglichkeiten, vor allem aber auch der Antworten von Schülerinnen und Schülern sowie Lehrpersonen zum Einsatzumfang und zum didaktischen Nutzen der Geräte hat ergeben, dass in den nächsten vier Jahren iPads von Apple an der Schule verwendet werden. Die Lehrpersonen setzen aber im Unterricht auch browserbasierte und damit geräteunabhängige Applikationen ein. Zudem verfügt die Schule über eine Informatikinfrastruktur für Anwendungen, die auf dem iPad nicht möglich sind.


Workshop 6: Niederschwellige Konzepte zum Managen digitaler Unterrichtsinhalte
Hanspeter Füllemann - PH Thurgau

Immer mehr digitale Onlinequellen bieten sich für die Nutzung im Unterricht an. Im Netz steht eine Fülle von aktuellen Informationen, interaktiven Inhalten und Lernmaterialien bereit. YouTube hat sich als unverzichtbares Videoarchiv positioniert. Diese Vielfalt kann den Unterricht bereichern, bildet jedoch für Lehrpersonen neue Herausforderungen beim Managen der Inhalte. Die nötigen Puzzlesteine für eine persönliche Arbeitsumgebung stellen aktuelle digitale Werkzeuge und Dienste zur Verfügung.

Im Workshop werden exemplarisch Konzepte vorgestellt. Diese reichen vom Erzeugen eines gezielten Informationsstroms bis zu möglichen Szenarien der Nutzung im Unterricht und zur Erschließung neuer Expertennetzwerke.


Workshop 7: Bilder und ihr Lehr-Lernpotential; GreenScreen und mobile Geräte
Markus Oertly - PH Thurgau

Die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen ist von Bildern durchdrungen. Was einerseits als reizüberflutende „visuelle Umweltverschmutzung“ (visual pollution) betrachtet werden könnte, beherbergt andererseits ein großes Potential. Gute Bilder drücken mehr aus als lange Texte und können komplizierte Sachverhalte visualisieren. Doch was sind inhaltlich dichte Bilder? Welche Bilder erzählen ganze Geschichten? Wie wird mit Bildern manipuliert oder gar gelogen? Und wie könnte diese Thematik im Unterricht aufgegriffen werden?

Nach einem Input über das Lehr- und Lernpotential von Bildern wird praktisch mit Bildern gearbeitet. So berichten zum Beispiel Korrespondenten vor der Greenscreen aus einem fernen Land – realisiert mit dem iPad und einem grünen Tuch, oder die Teilnehmerinnen und Teilnehmer setzen Bilder so in Szene, dass dadurch neue Geschichten entstehen.


Workshop 8: Neue Medien in der Bildung – Bildung im neuen Medium
Prof. Max Woodtli - PH Thurgau

Bezugnehmend auf die Keynote wird der Referent nochmals aufgreifen: „Wie muss Aus- und Weiterbildung gestaltet werden, um in der Zeit digitaler Informationsverarbeitung sinnvolle Lernangebote bereit stellen zu können?“

In diesem Kontext werden – basierend auf den drei folgenden Herausforderungsarten –  einige pragmatische Ansätze vorgestellt und diskutiert:

  • Die Herausforderung des Fachlichen: Lernende/Studierende sollen weiterhin fachliches Wissen und fachliche Kompetenzen entwickeln.
  • Die Herausforderung des Lernens: Lernende/Studierende sollten lernen, selbständig und kooperativ, zielgerichtet und kreativ, praxis-, produkt- und projektorientiert zu arbeiten, sich mit diversen Wissensquellen zu vernetzen und Wissen zu organisieren.
  • Die Herausforderung des Digitalen: Gleichzeitig müssen (junge wie erwachsene) Lernende lernen, mit den Möglichkeiten und Herausforderungen des Digitalen Wandels zurechtzukommen. Dabei geht es um viel mehr als technische Bedienkompetenz. Es geht vielmehr um ein Leben in und mit „magischen“ Medien, die wir gerade erst zu verstehen beginnen, während sie sich gleichzeitig rasant weiterentwickeln.